06.07.2012

Brasilien - Österreich - Afrika...

Kulturvernetzung ... das macht Spass.
Die Königinnen vom Salgueiro haben relative Bürgerrechte - Bei einem Afrikanischen Festival unseren Film über einen Afro-Schönheitssalon in Rio de Janeiro zu zeigen, ist eine spannende Herasuforderung. Und ich freu mich drauf, ebenso wie auf die zu erwartenden Diskussionen über Rassismus, Sexismus -- und wie wir die aktuelle Politik Brasiliens in Fragen der Enteignungen, Immobilienspekulation im Zuge der WM 2014 verändern können.
doku
Der 2002 entstandene Film, der damals auch Grundlage bzw. Teil für meine Diplomarbeit über Rassismus im Brasilien des Branqueamentos war, ist nach wie vor brennend aktuell. Meine Erfahrungen in der Vila Brandão in Salvador, wo wir ständig durch die brutale Enteignungspolitik von Seiten der Stadt bedroht sind, lassen mich noch engagierter in dieser Angelegenheit werden - Bürgerrechte für alle!
Genug von diesen Staatsgebilden, die nur dem Kapital dienen! Salvador ist nach wie vor in seiner Sklaventradition verfangen - Casa Grande e Senzala - das bedeutet totale Willkür der oberen Klassen gegen die Bevölkerung. Weder Justiz, noch Polizei, noch staatliche Dienstelistungen stehen der normalen Bevölkerung zur Verfügung - der Immobilienwahn mit Blick auf die WM und die Olympiaden nimmt ständig brutalere Formen an - und wo legales Enteignen nicht mehr möglich ist, wird die Bevölkerung kriminalisiert und Drogenhandel, Gewalt bekommen freien Lauf!
… Ich bin wieder abgeschwenkt… hier kommt die Info zu unserem Film, mitd em wir auch damals schon heisse Diskussionen ausgelöst haben! Ich hoffe, wir sehne uns in Kasumama - bei tropischen Temperaturen!



Die Königinnen vom Salgueiro
haben relative Bürgerrechte

Eine Dokumentation von Silvia Jura (A/BR 2002 - 45 Min. / Video)

SAMSTAG 7.7.2012 // 17:00 @ KASUMAMA AFRIKA FESTIVAL



RAINHAS DO SALGUEIRO - CIDADANIA RELATIVA /trailer1 from siju - silvia globalista on Vimeo.


best video production at XVIII. black international cinema 2003
| berlin - düsseldorf - ljubjana || in coop with USA & Brazil


>Die vielbeachtete Dokumentation über das Leben in den "Favelas", den Elendsvierteln von Rio de Janeiro. Ein Film, der nicht nur Armut und Not zeigt, sondern vor allem die Lebenskraft, Kreativität und das Selbstbewusstsein der Frauen in den Favelas. (treffpunkt kultur - ORF 2) <


>Die Kultur ist alles... sagst du Kultur, sagst du Aussehen, Erziehung, Selbstbewusstsein, Gesundheit, ja die Kultur ist alles!< (Dona Ivete)
Wenn Macumba nicht schwarze Magie, sondern soziale Arbeit ist, wenn Favela für Gemeinschaft im Kampf um eine bessere Welt steht, wenn der Karneval der Vermittlung afro-brasilianischer Traditionen dient... dann hat Dona Ivete das Wort.
Im Zentrum des Dokumentarfilms " Die Königinnen vom Salgueiro haben relative Bürgerrechte" steht das von Dona Ivete geleitete Ausbildungsprojekt Nika Jaina - ein Afro-Friseurinnenkurs für marginalisierte Mädchen in einem Elendsviertel (Favela) von Rio de Janeiro.
In intimen Interviews entführt uns Dona Ivete in ihre Welt; mit Hilfe der Göttinnen und Geister und auf ihren Verstand zählend kämpft sie, wie viele andere BewohnerInnen ihres Viertels auch, für eine bessere Zukunft am Morro do Salgueiro.
Ihr filmischer Dialogpartner Januario Garcia, ein Intellektueller der schwarzen Bewegung, stellt die gesamtgesellschaftlichen Bezüge her: von der Abschaffung der Sklaverei bis in das moderne Brasilien zieht sich der Faden von Ausschliessung und Nichtanerkennung der elementarsten Bürgerrechte für die schwarze Bevölkerung Brasiliens.
Es entsteht somit ein vielschichtiger, emotional und intellektuell erlebbarer Einblick in die Hoffnungen, Wünsche und den gelebten Alltag der schwarzen Bevölkerung Brasiliens. Der Rhythmus des Films führt uns behutsam in diese fremde Welt ein… und entlässt uns mit einem guten Gefühl: Hoffnung
Die Reise in die für uns exotische Welt wird durch den kulturverbindenden und mitreissenden Soundtrack von Célia Mara unterstützt.

06.06.2012

rücktritt...

Nach 6 turbulenten, erfolgreichen, spannenden Jahren, in denen ich mich zuerst als Gründungsmitglied, dann als Sprecherin und Präsidentin der IG World Music Austria engagiert habe, ist für mich die Zeit gekommen, mich aus der aktiven Geschäfstführung der IG zurück zu ziehen und einem neuen Team Platz zu machen.
Bei unserer außerordentlichen Generalversammlung am 4.6.2012 habe ich daher meinen Rücktritt offiziell bekanntgegeben.

Auf meine NachfolgerInnen wartet eine Organisation, die es bereits auf über 80 Mitglieder gebracht hat und somit einen wirklichen Vertretungsanspruch im Rahmen der World Music geltend machen kann.

Wir haben uns auf Neuwahlen im Herbst geeinigt, bis dahin bleibt der verbleibende Vorstand weiterhin aktiv. Ich würde mich sehr freuen, ein motiviertes, vielfältiges Team an der Spitze der IG zu sehen, die unsere Arbeit - nicht nur fortsetzen - sondern weiter entwicklen möchte. Für Informationen stehe ich jederzeit gerne zur Verfügung.

Von der Gründung an haben wir uns klar positioniert: keine Musik ohne die Menschen, die sie produzieren!
Starkes Engagement in der österreichischen Kulturpolitik und in der Musikwirtschaft sind daher ebenso wie eine klare antirassistische Positionierung, der Kampf für die Rechte von KünstlerInnen migrantischer Herkunft und Gendergerechtigkeit Teil des Profils der IG World Music Austria geworden. Darauf bin ich besonders stolz, ist es mir persönlich doch ein ganz wichtiges Anliegen, aktiv an einer gerechten Gesellschaft mit zu arbeiten.

In den letzten Jahren habe ich mich daher persönlich besonders in Fragen der Institutionalisierung der World Music und ihrer ProduzentInnen im Rahmen der österreichischen Musikwirtschaft und Kulturpolitik stark gemacht.
Die kuratorische Mitarbeit im Handbuch des BMEIA “Frauen:: Musik:: Österreich”, eine Position im stellvertretenden Vorstand des Österreichischen Musikrats, die Mitarbeit im Forum Musik im Arbeitskreis Export zur Förderung der heimischen Musikwirtschaft, die Mitarbeit bei SOS Musikland Österreich waren für mich ehrenvolle und wichtige Aufgaben, die mir Gelegenheit gegeben haben, mich für World Music in Österreich ebenso wie für Themen wie Gender- und Migrant Mainstreaming im Rahmen der Musik einzusetzen und dieses in vielen Papieren zu verankern bzw. zu thematisieren.
Ich freue mich auch sehr, an der positiven Entwicklung des österreichischen Messestandes auf der WOMEX gearbeitet zu haben, wo es uns in den letzten Jahren gelungen ist, Österreich als einen wichtigen global Player in der Weltmusik zu positionieren.
Ich möchte die Gelegenheit nützen, mich besonders bei meinem langjährigen Co-Vorsitzenden, Mitstreiter, Freund wie auch Vorbild Norbert Ehrlich sowie den aktuellen und bisherigen VorstandskollegInnen Caroline Maraszto, Christine Koblitz, Gina Solis-Soglio, Heinz Krassnitzer, Horst Watzl, Jacqueline Carbonell Spörk, Jeroen Siebens, Katrin Pröll und Tom Jirsa ebenso wie unserem internationalen Berater Ian Smith und Womex- Stand Koordinator Heinrich Schläfer für die wunderbare, langjährige Zusammenarbeit bedanken.

All jenen, die an uns geglaubt haben und dies auch durch ihren Beitritt bekräftigt haben, möchte ich besonders danken!

Ich werde natürlich auch weiterhin eine aktive Kämpferin für World Music, Gender- und Migrationsfragen sein und freue mich auf die weitere Zusammenarbeit mit meinen KollegInnen!

Nachdem ich mein Engagement im Leitungsteam von femous: platform for famous female culture, der Initiative zur Sichtbarmachung von Frauen in der Musik verstärken möchte, meinen persönlichen Fokus wieder mehr auf die künstlerische und inhaltliche Zusammenarbeit mit Célia Mara verlagern möchte und sich meine Interessen immer stärker nach Brasilien verlagern, wo ich gerade an einem großen NGO Projekt arbeite, bleibt mir nur, Euch allen, lieben Kolleginnen und Kollegen, langjährigen WeggefährtInnen das Allerbeste mit einer in die Zukunft führenden IG World Music zu wünschen!

Ich freue mich auf die weitere Zusammenarbeit und viele gemeinsame Stammtische!

Eure Silvia Jura

29.02.2012

Nach dem Carnaval, Quilombo Rio do Macacos.

Der Polizeistreik endete am Samstag vor Carnaval. So ein Glück, blieben so doch noch wenigstens drei Tage, um das größte Volksfest der Welt vorzubereiten. Zeit genug, die 180 offiziellen Toten zu vergessen, Kostüme vorzubereiten, im Sonderangebot (oder am Schwarzmarkt) noch ein paar günstige Tickets für geschützte Bereiche zu erstehen…
Der Carnaval 2012 selbst war schwach gewesen, musste an die 30% Stornos im Tourismus verzeichnen, war durch Verkaufsverbote und drastische Strafen für das ambulante Händlervolk von Salvador, große Polemiken um die undurchsichtige Finanzierung der Stadtregierung und die karnevalesken Steuerprivilegien der Superreichen geprägt.
Während auf den uringetränkten Strassen der Hauptstadt trotzdem "Alegria, Paz & Alegria" (Freude, Friede & Freude) gefeiert wurde, spannte sich nur wenige Kilometer entfernt, die Lage drastisch an.


In Rio do Macacos, unweit von Simões Filhos und Salvador/Bahia, versucht die Marine Ende Februar 2012, einen geschützen Quilombo zu räumen.


Quilombo Rio do Macacos - eine Enklave aus einer anderen Zeit. Ein Stückchen Freiheit.
Quilombos - das sind freie bzw. befreite Territorien in Brasilien. Der Name ist wahrscheinlich auf die angolanische Bezeichnung für Dorf zurückzuführen, der bekannteste Quilombo, auch Brasiliens erste demokratische Republik genannt, war Quilombo dos Palmares, im Bundesstaat Alagoas, wo bereits im Jahr 1670 an die 50.000 Menschen lebten.


Quilombos sind Orte des Widerstands gegen die Casa Grande & Senzala / Herrenhaus- und Sklavenhütte (Gilberto Freyre) Gesellschaft, abgeschiedene, uneinsichtige Orte, wo sich in den letzten 400 Jahren autarke Gesellschaften entwickelt haben. Gelebte Afro-Brasilianische Gegen-Geschichtsschreibung.


Gewalt am Quilombo Rio do Macacos




Die Vorgehensweise kommt mir bekannt vor: Psychoterror gegen die ansässige Bevölkerung, Kaputzenmänner umstellen und attackieren die Siedlung, der Anbau von Nahrungsmitteln wird verboten, Häuser niedergerissen, die Dorfmühle komplett zerstört. Seit den 1970er Jahren ist die Marine vor Ort, und kontrolliert auf menschenrechtsverachtende Weise den Zugang zur Gemeinde. Wasser und Strom wurden in den letzten Tagen abgedreht, um die Quilombolas zum Auszug zu zwingen.
Denn die Marine beginnt, Zeitdruck zu haben. Weitere Offiziersquartiere, konkret: Villen- Siedlungen, sind für die sofortige Umsetzung geplant.


Ein weiterer Beitrag zum Thema IMMOBILENSPEKULATION - MILITÄRTERROR - WM 2014???


http://blogbahianarede.wordpress.com/